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 Der Verrat der Alliierten am deutschen Widerstand Teil 2

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BeitragThema: Der Verrat der Alliierten am deutschen Widerstand Teil 2   Der Verrat der Alliierten am deutschen Widerstand Teil 2 Icon_minitimeSo Aug 24, 2008 12:06 am

Aufgeklärte Selbstsucht

Doch auch jenseits des großen Teiches gab es eine starke Lobby für die Braun- und Schwarzhemden: „Eine Clique von US-Industriellen“, bekundete der US-Botschafter in Deutschland, William E. Dodd, 1937 gegenüber einem Reporter der New York Times, „arbeitet eng mit den Faschistenregimes in Deutschland und Italien zusammen. Ich hatte auf meinem Posten in Berlin oft Gelegenheit zu beobachten, wie nahe einige unserer amerikanischen regierenden Familien dem Naziregime sind. Sie trugen dazu bei, den Faschismus an die Macht zu verhelfen und sind darum bemüht, ihn dort zu halten [4].“ Unter die regierenden Familien Amerikas ist nun zweifellos die Busch-Dynastie zu rechnen. Deren damaliges Oberhaupt Prescott – Vater von Präsident George Bush sen. und Großvater von George W. – amtierte als Direktor beziehungsweise Aufsichtsratsmitglied von vier Unternehmen, die im Oktober 1942 allesamt wegen „Naziverbindungen“ staatlich konfisziert wurden [5]. sein damaliger Syndikus war niemand geringerer als Allan W. Dulles, welcher ebenfalls auf Hitlers Barbarossafeldzug setzte, zugleich aber den Kriegseintritt seines Landes (wie er sagte, aus „aufgeklärter Selbstsucht“ heraus) vorangetrieben hatte.

Jetzt, da der demokratische Präsident Roosevelt entschlossen schien, die Nachkriegswelt mit den Sowjets zu teilen, setzte der Republikaner Dulles auf einem Separatfrieden mit dem konservativen Teil des Widerstands, dem es nach einer Machtergreifung ermöglicht werden sollte, im Osten den Sozialismus zu beerdigen. Gerade acht Tage, bevor Stauffenberg seine Bombe hochgehen ließ, drahtete Dulles aus dem schweizerischen Bern, das ein „dramatisches Ereignis“ in Kürze „im Norden“ über die Bühne gehen könnte. Um werbend hinzuzufügen, dass eine Gruppe der Anti-Hitler-Verschwörung bestrebt sei, „zu verhindern, dass Zentraleuropa ... unter die Kontrolle der Russen komme [6]. doch diese antisowjetische Vision war ihrer Zeit mindestens ein Jahr voraus und in den Etagen der Macht tickten die Uhren noch anderes. Quasi als Warnschuss lancierte die Presse die Nachricht, der spätere CIA-Chef hätte Anfang 1933 im Hause eines engen Geschäftspartners – das Kölner Bankiers Schroeder – die Koalitionsregierung zwischen Hitler und Papen auf den Weg gebracht; an der Seite seines Bruders, der nach dem Krieg zum US Außenminister erhoben werden sollte.

Ebenfalls Indiskretionen waren es, die Stauffenberg währenddessen in Deutschland zwangen, den vorher so oft abgesprochenen Umsturzplan tatsächlich am 20. Juli ablaufen zu lassen. Am 18. Juli 1944 wurde nämlich bereits in Diplomatenkreisen über das erwartete Großereignis getuschelt. Weiteres Zuwarten bedeutete, das Unternehmen der Gestapo in die Hände zu spielen. Als Stauffenberg in die Wolfsschanze beordert wurde, war der Beschluss unumstößlich, diesmal auf alle Fälle zu Bomben. Heute weiß jedes Kind, dass der Anschlag fehl ging. Kaum bekannt, beziehungsweise nur ungenügend behandelt wurde dagegen der tieferliegende Grund: die Sprengkraft jener Bombe, die Graf Stauffenberg zur Zündung brachte, war für eine sichere Tötungsaktion weit zu schwach bemessen. Hitler wurde nicht einmal ernsthaft verletzt. Die offizielle Forschung mäandert gern an der These, dass die Höllenaschine vor ihrer Detonation einige Fuß weit von Hitler weg geschoben worden war. Auch habe ein Holztisch die Durchschlagskraft der Sprengladung entscheidend gebremst. Abgesehen davon, dass die Unversehrtheit von Hitlers unteren Extremitäten dieser Behauptung den Boden entzieht, ist festzuhalten, dass trotz langer Tradition kein Fall eines Bombenattentat bekannt wäre, in dem ein Tisch einen derartigen Anschlag ins geradezu wirkungslose hätte verpuffen lassen. Fakt dagegen ist, dass die Sprengkraft der Bombe extrem schwach bestimmt worden sein muss. Darf es da verwundern, dass das Corpus Delicti englischer Herkunft war?

Vermutlich hätten die Männer um Stauffenberg ihren Coup niemals ablaufen lassen, wenn ihnen die eigentlichen Kriegsziele und die daraus resultierenden Zusammenhalten im Bündnis der Alliierten bekannt gewesen wären. Anders als gewiss von Dulles oder Empirelastigen Briten suggeriert, galten unter den „Großen Drei“ nach wie vor die öffentlichen Treueschwüre und – zwischen Stalin und Roosevelt – das bereits lange vor Kriegsausbruch zu datierende Einverständnis, den faschistischen Popanz zu nutzen, um die Welt unter sich aufzuteilen [7]. Die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation und das Verbot gesonderter Friedensschlüsse trug dem Rechnung. Darüber hinaus wusste Roosevelt nur zu gut, dass es ein Friedensgesuch einer neudemokratischen Regierung in Berlin ihm und Churchill unmöglich machen würde, den alliierten Soldaten zu erklären, warum es zum Preis weitere Millionen Menschen leben nötig sein sollte, weiter zu kämpfen. Diese nicht ganz leichte Aufgabe fiel nun der alliierten Presse zu, die sich zu dem Spagat genötigt sah, eine Revolte gegen einen Despoten mit dessen Worten zu erklären.

Die Atmosphäre der finsteren Verbrecherwelt

So textete denn die New York Times über das Attentat, dass dessen Einzelheiten mehr an „ die Atmosphäre der finsteren Verbrecherwelt“ erinnerten als an die, welche man „ normalerweise in einem Offizierskorps eines Kulturstaates erwarten würde.“ Das renommierte Blatt zeigte sich entrüstet darüber, dass höchste Offiziere ein Jahr lang an dem Komplott „gegen das Oberhaupt des Staates und den Oberbefehlshaber der Streitkräfte“ gearbeitet hätten. Ein Komplott, bei dem man sich noch dazu „einer Bombe, der typischen Waffe der Unterwelt“ bedient hatte“ [8].

Eine andere wichtige US-Zeitung, The Harald Tribune, kommentierte: „ Im Allgemeinen bedauern es die Amerikaner keinesfalls, dass Hitler von der Bombe verschont wurde und sich nun persönlich seiner Generäle entledigt. Außerdem haben die Amerikaner mit Aristokraten nichts am Hut, ganz besonders nicht mit solchen, die Dolchstöße ausführen.“ [9]

Und die London Times schlug nach, es wäre wohl kaum nötig hervorzuheben, dass Hitlers Gegner keine Freunde der Alliierten sind: „ Die Generäle, die sich als Thronfolger aufspielten, handelten so, nicht als Verfechter der Freiheit, sondern als Verfechter des Militarismus.“ [10]

Eine offenbar an zentraler Stelle ausgegebene Sprachregelung, die darauf abzielte, Sympathien der eigenen Bevölkerung von den deutschen Vorgängen abzuziehen, bewirkte, dass die alliierte Presse ganz allgemein die breite Beteiligung von Zivilisten an den Umsturzplänen bestritt oder verschwieg. Allenthalben wurde stattdessen gebetsmühlenartig von der „Verschwörung der Generäle“, von einer „Intrige des Adels“ oder auch vom „Widerstand der Junker“ gesprochen, hinter dem sich nichts als der verzweifelte Versuch in ihrem Ehrgeiz verletzter Militärs verberge, aus Interesse an der eigenen Karriere den Tyrannen zu ermorden. Eine rein soldatische Verzweiflungstat ohne jeden ethischen Hintergrund.

Dass wir besser dastehen

In genau diesem Sinne wurde der antifaschistische Aufstand von Churchill verhöhnt. Vor dem Parlament erklärte er am 2. August 1944, dass die Köpfe der deutschen Führung lediglich versuchten, ihrem vorgezeichnete Schicksal, der absolute Niederlage, zu entgehen, indem sie „sich gegenseitig ermordeten.“ [...] Währenddessen zeigte sich auch das Weiße Haus in Sorge um „seinen“ Führer. So schrieb Franklin D. Roosevelt an seine Frau Eleonor aus Hawaii: „Möglicherweise muss ich überstürzt zurückkommen, wenn sich die deutsche Revolte verschlimmern sollte! Ich hoffe, dass das nicht passiert.“ [...] Aus Moskau stimmten Stalins Propagandisten ein: „ Das hitlerische Deutschland wird nicht durch aufrührerische Generäle auf die Knie gezwungen werden, sondern durch uns und unsere Verbündeten [14]!“ [...]

Dieser Machiavellismus ist umso befremdlicher, wenn man sich vor Augen hält das Churchill, Roosevelt und Stalin damals schon seit mehr als einem Jahr von der gegen die Juden gerichtete „Endlösung“ wussten. Doch anstatt den Holocaust durch den Widerstand beenden zu lassen oder auch nur ein einziges Mal mit gezielten Luftschlägen gegen die Wach- und Vernichtungseinheiten auf das Geschehen einzuwirken, mühte man sich um seine propagandistische Instrumentalisierung. Etwa um den Kampfeswillen der eigenen Soldaten anzuspornen oder – wie bei Churchills Zivilbombardements geschehen – um eigene Terrorkampagnen als Vergeltungsschläge zu begründen. Auch die Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland wie Teilung, Besetzung und „Umerziehung“ fanden hier eine willkommene zusätzliche Argumentationsplattform.

Um die Doppelzüngigkeit noch zu steigern, wurde den unterlegenen Deutschen die zurückliegende und fortdauernde Zerstörung ihres Landes damit erklärt, dass sie sich der Nazis nicht frühzeitig selbst entledigt hatten. Unter der Überschrift „grundlegende Ziele der Militärregierung in Deutschland“ forderte der US-Generalstab am 26. April 1975 von dem Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen an vorderster Stelle: „ Es muss den Deutschen klargemacht werden, dass Deutschlands rücksichtslose Kriegsführung und der fanatische Widerstand der Nazis die deutsche Wirtschaft zerstört und Chaos und Leiden unvermeidlich gemacht haben und dass sie nicht der Verantwortung für das entgehen können, was sie selbst auf sich geladen haben.“ Bruchlos daran anschließend heißt es, die Maske des edlen Ritters ein Stück weit freigegebend: „Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als ein besiegter Feindstaat. Ihr Ziel ist ... die Besetzung Deutschlands, um gewisse wichtige alliierte Absichten zu verwirklichen.“

Der Preis ist das wert

Rückblickend kann festgestellt werden das das Scheitern des Stauffenberg-Aufstandes katastrophale Kriegsfolgen nach sich zog: Aufgrund der fortgesetzten alliierten Sabotage gegen den antifaschistischen Widerstand, die soweit gingen, deutsche Freiheitskämpfer den Nazis ans Messer zu liefern, wurden die Kämpfe um ihr blutigstes Jahr verlängert. Es war das Jahr der Zerstörung der deutschen Städte, das Jahr der millionenfachen Vertreibungen, das Jahr, in dem eine Arberzahl von Juden nach der Räumung der KZs auf den todbringenden Evakuierungsmärschen vor Erschöpfung und Krankheiten umkam. Endresultat? Zwischen den 20. Juli 1944 und dem 8.Mai 1945 ließen allein auf dem heiß umkämpften europäischen Kriegsschauplatz 10 Millionen Menschen ihr Leben: Soldaten und Zivilisten, nicht nur deutsche, sondern auch Russen, Franzosen, Engländer und Amerikaner, mehr als in den gesamten vorangegangenen fünf Jahren dieses schlimmsten Konflikts der menschlichen Geschichte. Es war ein hoher Preis. Aber die Politik ist freigiebig, wenn es um die Verzinsung von Opferzahlen geht.

Erinnern wir uns, dass George Bush se. am Ende des ersten Irak Krieges den auf Bagdad zumarschierenden General Schwarzkopf zurückgriff, wodurch Saddam Hussein im Amt verblieb. Um die Schlacht auf anderen Ebenen weiterführen zu können, verhängte die UNO anschließend auf Drängen der USA und Großbritanniens rigide Boykottmaßnahmen gegen die einstige Vormacht des Mittleren Ostens. Die Auswirkungen auf das geschwächt am Boden liegende Land waren verheerend, während Washington strategisch und ökonomisch punkten konnte. In der in Nordamerika ausgestrahlten Fernsehsendung „60 Minutes“ fragte darob die Moderatorin Leslie Stahl am 12.5.1996 US-Außenministerin Albright: „Wir haben gehört, dass eine halbe Millionen Kinder (aufgrund der Wirtschaftssanktionen) gestorben sind. Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima gestorben sind. Ist das den Preis wert?“ Madeleine Albright bezweifelte die Zahlen gar nicht und erwiderte: “Ich denke, das ist eine sehr harte Wahl, aber wir denken, der Preis ist das wert!“

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